Kalender mit seltenen und wilden Schönheiten

Peter Nörr ist seit Jahren der technische Leiter unseres Photoklubs. Für den Kalender der Sparkasse Mittelfranken Süd hat er im vergangenen Jahr Wildblumen fotografiert. In dem folgenden Artikel der Rother – Hilpoltsteiner Volkszeitung wird darüber berichtet, wie die Aufnahmen entstanden sind. Weitere Bilder von Peter Nörr sind in der Mitgliedergalerie zu sehen.

ROTH – Im neuen Kalender der Sparkasse Mittelfranken-Süd teilen sich die Funktionen als Organizer und Wandschmuck den Platz. Die Bilder haben ein paar Quadratzentimeter weniger Platz als die Listen mit den Wochentagen, aber sie haben es in sich. Zwölf heimische Wildblumen bekommen ihren Auftritt, die der Freizeit-Spaziergänger normaler-weise nie entdeckt – so selten, versteckt oder klein sind sie. Aufgenommen hat sie der Rother Fotograf Peter Nörr.

 

Die Blüte des Rundblättrigen Sonnentaus, der auch Himmelstau und Herrgottslöffel genannt wird, hat etwa einen Zentimeter Durchmesser. © Fotos: Peter Nörr

 

Fliegen-Ragwurz, Bienen-Ragwurz, Fieberklee, Rundblättriger Sonnentau. Die Arten sind so stark gefährdet, dass ihre Standorte in vielen Fällen geheim gehalten werden. Karl-Heinz Donth von der Kreisgruppe Roth des Bund Naturschutz weiß, wo die seltenen Schönheiten zu finden sind.

Der Geobotaniker und Studiendirektor a. D. fungierte als Motivscout, Assistent und Beleuchter. Binnen eines Jahres brachte Peter Nörr so eine fotografische Sammlung von 300 Wildblumen zusammen – zum gegenseitigen Nutzen, denn der BN darf sie für seine Bedürfnisse verwenden.

300 in einem Jahr, das hört sich mittelprächtig an, doch wenn man die Umstände bedenkt, dann muss man dafür einen Heidenaufwand betreiben. „Wir hatten Zeit von März bis September“, erklärt der Fotograf. Davon gingen von vorneherein die Regentage ab. Wann die Blumen ihre Blüte haben, wusste Karl-Heinz Donth. „Der kennt alle“, fasst Peter Nörr das Fachwissen seines Partners zusammen, „und ich habe sehr viel gelernt.“

 

Der Deutsche Enzian ist vollkommen geschützt. Sein Standort bleibt geheim.

Die Aufgabe erweiterte auch die Kenntnisse des Fotografen, denn fotoverliebte Models waren seine Motive nicht gerade. Den meisten musste er sich in Bodenhöhe kniend oder kriechend nähern, gerne auch in Feuchtwiesen und im Morgentau. Die untergelegte Folie hielt die Feuchtigkeit nicht immer ab.

Die Shootings am Morgen waren auch deshalb notwendig, weil mit dem Sonnenstand der Wind zunimmt und die Blütenkelche anfangen zu wippen. Das kann der Fotograf gar nicht brauchen, in kritischen Fällen hat er deshalb die Blumenstängel mit einem feinen Draht fixiert, eine diffizile Technik. Nörr: „Wir hatten es ja mit vielen geschützten Pflanzen zu tun.“

Stillhalten war auch deshalb Pflicht, weil die Blüten im Stapelverfahren abgelichtet wurden. Nörr schoss dazu acht bis zwölf Bilder mit jeweils um Millimeter verschobenem Fokus, die im Bildbearbeitungsprogramm zu einem gestochen scharfen Foto verrechnet wurden. Die Tücke dabei: Das lässt sich nur mit einer manuellen Scharfstellung bewerkstelligen, aber Motiv und Kamera sollen sich nicht bewegen. Kauernd oder liegend ist das keine leichte Übung.

Es gibt auch eine physikalische Hürde: Wandert der Fokus des Makro-Objektives auf dem Motiv nach hinten, wird der Vordergrund unscharf, und das heißt größer. Da kapituliert dann auch der Photoshop, die verpatzten Stellen müssen retuschiert werden. Relativ frontal ist wegen seiner Form der Rundblättrige Sonnentau aufgenommen, der das Dezember-Blatt ziert. Er war deshalb in dieser Hinsicht eher unproblematisch.

Die Herausforderung lag mehr in der Größe. Die Blüte ist einen halben bis einen Zentimeter groß. Gar nicht mehr mit dem bloßen Auge zu erkennen war zum Beispiel das Bunte Vergissmeinnicht mit seinen zweieinhalb Millimetern Durchmesser. Es ist nicht im Kalender zu finden, weil die Aufnahme außerhalb des Geschäftsbereichs des Auftraggebers entstand.

Mit der Aufnahmeserie ist die Beschäftigung Peter Nörrs mit der Pflanzenwelt keineswegs abgeschlossen, im Gegenteil: „Man glaubt gar nicht, wie viele Moore es bei uns gibt“, schwärmt er und freut sich über einen geschärften Blick für verborgene Details: „Ich habe unglaublich viele Moosbeeren entdeckt.“ Ist ja jetzt auch sein Revier – bodennah und alles andere als trocken.

PAUL GÖTZ

 

Strauß